Heute: 10 ** Gestern: 14 ** Woche: 64 ** Monat: 154 ** Insgesamt: 41683

Aktuell sind 17 Gäste und keine Mitglieder online

Morsecode

Der Morsecode oder Morsekode, manchmal auch Morsealphabet genannt, ist ein Verfahren zur Übermittlung von Buchstaben und Zeichen. Dabei wird ein konstantes Signal ein- und ausgeschaltet. Es besteht aus drei Symbolen: kurzes Signal, langes Signal und Pause.

Der Code kann als Tonsignal, als Funksignal, als elektrischer Puls mit einer Morsetaste über eine Telefonleitung, mechanisch oder optisch (etwa mit blinkendem Licht) übertragen werden – oder auch mit jedem sonstigen Medium, mit dem zwei verschiedene Zustände (wie etwa Ton oder kein Ton) eindeutig und in der zeitlichen Länge variierbar dargestellt werden können. Man spricht auch von Morsetelegrafie.

Das manchmal bei Notfällen beschriebene Morsen durch Klopfen an metallischen Verbindungen erfüllt diese Forderung daher nur bedingt, ist aber mit einiger Übung aufgrund des charakteristischen Rhythmus von Morsezeichen verständlich. Diese Hörtechnik ist abgeleitet von den "Klopfern" aus der Anfangszeit der Telegrafentechnik, bestehend aus einem kräftigen Relais in einem akustischen Hohlspiegel, der den Klang der Morsezeichen schon vor der Erfindung des Lautsprechers selbst in größeren Betriebsräumen hörbar machte.

Geschichte

Nachdem Samuel Morse 1833 den ersten brauchbaren elektromagnetischen Schreibtelegrafen gebaut hatte, fand der erste Testbetrieb 1837 statt. Der verwendete Code umfasste damals nur die zehn Ziffern; die übertragenen Zahlen mussten mit Hilfe einer Tabelle in Buchstaben und Wörter übersetzt werden.

Alfred Lewis Vail, ein Mitarbeiter Morses, entwickelte ab 1838 den ersten Code, der auch Buchstaben umfasste. Er bestand aus Zeichen von drei verschiedenen Längen und unterschiedlich langen Pausen. Dieser Code wurde ab 1844 betrieblich eingesetzt (als Morse Landline Code oder American Morse Code bei amerikanischen Eisenbahnen und den Telegrafenunternehmen bis in die 1960er Jahre).

Die unterschiedlich langen Pausen stellten eine Unzulänglichkeit des Codes dar, so dass Friedrich Clemens Gerke ihn 1848 zur Inbetriebnahme der elektromagnetischen Telegrafenverbindung zwischen Hamburg und Cuxhaven umschrieb. Dieser Code wurde nach einigen weiteren kleinen Änderungen 1865 auf dem Internationalen Telegraphenkongress in Paris standardisiert und später mit der Einführung der drahtlosen Telegrafie als Internationaler Morsecode von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) genormt.



 
1909 wurde erstmals ein Seenotruf über Funk gemorst. Dieses Ereignis führte zur breiten Einführung des Seefunks, nachdem die eher konservativen Reeder die neue Technik zuerst abgelehnt hatten.

Der Morsecode wurde mit der Einführung von Fernschreibern aus den Telegrafennetzen verdrängt. Im Funkbetrieb behielt er aufgrund seiner Einfachheit lange Zeit Bedeutung, bis er auch hier nach und nach durch andere Verfahren ersetzt wurde. Ein großes Einsatzfeld hatte er noch im Seefunkverkehr, bis er dort mit Einführung des weltweiten Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS zum 1. Februar 1999 seine Bedeutung verlor. Eingesetzt wird der Morsecode noch im Amateurfunk, wo in Deutschland Morsekenntnisse noch bis 2003 vorgeschrieben waren, um am Funkbetrieb auf Kurzwellenfrequenzen unterhalb 30 MHz teilzunehmen. Ebenso findet man den Morsecode noch zu Unterrichtszwecken bei angehenden Fernmeldetechnikern.

Morsecodes werden heute noch in der Luft- und der Schifffahrt verwendet, um Funknavigationsanlagen (siehe Funkfeuer) zu identifizieren. Diese senden neben dem eigentlichen Navigationssignal auch ein hörbares Morsesignal aus, das aus der Drei-Buchstaben-Kennung des Funkfeuers besteht. So sendet z. B. das VOR Barmen seine Kennung BAM, (−··· ·− −−). Auch in der Seeschifffahrt finden Morsecodes noch Anwendung: Radarantwortbaken antworten ebenfalls mit einem Echo, dem ihre Kennung in Morsecode aufmoduliert ist. Der Leuchtturm Kiel gibt alle 30 Sekunden das akustische Zeichen KI. Im internationalen Amateurfunkdienst morsen automatische Relaisfunkstellen noch oft ihre Kennung, aber auch die Sprachausgabe einer gespeicherten Tondatei mit der Kennung ist inzwischen oft zu hören.

 

Handschrift

Jeder Tastfunker hat seine individuellen Anschläge und Geschwindigkeiten, an denen er von anderen wiedererkannt werden kann – analog zur Einzigartigkeit einer Handschrift. Diese Tatsache machte sich z. B. die kaiserlich japanische Kriegsmarine zu Nutze, um die US-amerikanische Fernmeldeaufklärung beim Angriff auf Pearl Harbor auszutricksen. Die Stammfunker der wichtigsten angreifenden Kriegsschiffe wurden versetzt und nahmen von anderen Sendern aus Routinebetrieb auf.

 

Internationaler Morsecode

Da der Morsecode nur ein einfaches stetiges (unmoduliertes) Signal als Basis verwendet, benötigt er weniger Hardware zum Senden und Empfangen als andere Formen der Funkkommunikation, kann auch bei einem sehr ungünstigen Signal-Rausch-Verhältnis noch arbeiten und benötigt nur geringe Bandbreite und Sendeleistung. Wegen der unmodulierten Form des Funksignals sind Morsezeichen in üblichen Empfängern für AM nur schwierig aufzunehmen; man muss einen Telegrafie-Überlagerer BFO zuschalten, um einen klaren Ton zu hören.

 

Lateinische Buchstaben
Ziffern
Sonder- und Satzzeichen
Signale
Buchstaben
Code
Ziffer
Code
Zeichen
Code
Zeichen
Code
A · − 0 − − − − − Ä · − · − (Spruchanfang) − · − · −
B − · · · 1 · − − − − Ö − − − · (Pause) − · · · −
C − · − · 2 · · − − − Ü · · − − (Spruchende) · − · − ·
D − · · 3 · · · − − ß · · · − − · · (verstanden) · · · − ·
E · 4 · · · · − CH − − − − (Verkehrsende) · · · − · −
F · · − · 5 · · · · ·     SOS · · · − − − · · ·
G − − · 6 − · · · · + (AR) · − · − · (Fehler; Irrung) · · · · · · · ·
H · · · · 7 − − · · · = − · · · −  
I · · 8 − − − · · ? · · − − · ·
J · − − − 9 − − − − · / − · · − ·
K − · −   + · − · − ·
L · − · · @ · − − · − ·
M − −  
N − ·
O − − −
P · − − ·
Q − − · −
R · − ·
S · · ·
T
U · · −
V · · · −
W · − −
X − · · −
Y − · − −
Z − − · ·


Die Wahl der Codes für die verschiedenen Zeichen orientiert sich an der geschätzten Häufigkeit des Auftretens der Buchstaben in einer Nachricht. Öfter auftretende Buchstaben sollten einen kürzeren Code besitzen als seltenere, um die zu übertragenden Zeichen zu minimieren (siehe Entropiekodierung). Die folgende Tabelle eignet sich gut zur Dekodierung und zeigt die Wahl der Codes anhand der angenommenen Häufigkeit von links (häufig) nach rechts (selten).

T —
M — —
O — — —
CH — — — —
Ö — — — ·
G — — ·
Q — — · —
Z — — · ·
N — ·
K — · —
Y — · — —
C — · — ·
D — · ·
X — · · —
B — · · ·
E ·
A · —
W · — —
J · — — —
P · — — ·
R · — ·
Ä · — · —
L · — · ·
I · ·
U · · —
Ü · · — —
F · · — ·
S · · ·
V · · · —
H · · · ·


SOS

Ab 1904 benutzten Funker der Firma Marconi das Kürzel CQD (CQ ausgesprochen als "Seek you", was soviel wie "Suche (Inf.) dich/euch" heißt und D für Distress (englisch für Seenot)) als Notrufzeichen. Als umgangssprachliche Auslegung und Eselsbrücke wurde dies als "Come quick – Danger!" (wörtlich: "Kommt schnell – Gefahr!") interpretiert. Zu jener Zeit herrschte eine Konkurrenzsituation der Funksystemehersteller und Duopolisten Marconi und Telefunken. So war es den Schiffsfunkern nicht erlaubt, Funk- und sogar Notrufe von Schiffen mit dem jeweils anderen System anzunehmen. Um diesen Zustand zu beenden, wurde auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin am 3. Oktober 1906 SOS (drei kurz, drei lang, drei kurz: · · · − − − · · ·. gesprochen: Didididahdahdahdididit) als internationales Notrufzeichen festgelegt und nach der Bestätigung durch alle seefahrenden Nationen ab dem 1. Juli 1908 offiziell eingeführt. SOS war einprägsam und auch für ungeübte Funker leicht aus anderen Signalen herauszuhören. Das Notrufzeichen besteht nicht aus drei Einzelbuchstaben, wie meist angenommen wird; vielmehr wird der SOS-Code in einem gesendet, d. h. es werden keine Zeichenpausen zwischen den Buchstaben gemacht: ···−−−··· und nicht ··· −−− ···. Angebliche Bedeutungen von SOS als Abkürzung für Save Our Souls oder Save Our Ship ("Rettet unsere Seelen" oder "Rettet unser Schiff") wurden erst später in das Signal hineininterpretiert. Es wird auch nicht "SOS SOS SOS", sondern SOSOSOS... "···−−−···−−−···" gefunkt.

Das erste Mal wurde SOS von dem Passagierschiff RMS Slavonia am 10. Juni 1909 gesendet, als es vor den Azoren Schiffbruch erlitt. Der Untergang der Titanic – deren Funker sandte zunächst CQD und nach dem Hinweis eines Kollegen auch SOS aus – zeigte, dass neben einem einheitlichen Signal und einer Standard-Notruf-Frequenz auch ein regelmäßiges Abhören dieser Frequenz notwendig war, denn bei einem Schiff in der unmittelbaren Nähe der Untergangsstelle war die Funkstation zur Unglückszeit nicht besetzt. So wurde es 1912 Vorschrift, die Notruf-Frequenzen immer zur halben Stunde abzuhören.

Analog dazu legte man sich bei Einführung des Sprechfunks auf den Notruf "Mayday" fest (siehe dazu auch die weiteren Dringlichkeits- bzw. Sicherheitsrufe "PAN PAN" (vom franz. panne) und "SÉCURITÉ" – letzteres wird in der Funktelefonie auch tatsächlich französisch ausgesprochen). Beim Betrieb von analogen UKW-Sprechfunkgeräten werden diese Rufe auf Kanal 16 (CH16), dem Anruf- und Notkanal, gesendet.

Durch die Einführung des digitalen UKW-Funks sollten diese Notrufe eigentlich durch einen automatisiert durchgeführten Direktruf einer Rettungsstelle (DSC, Digital Selective Calling) und der "Distress"-Taste (engl. für Notfall) ersetzt werden. DSC ist ein wichtiger Bestandteil des GMDSS. Jedoch ist die Ausrüstungspflicht mit diesen Geräten, speziell für Sport- und Freizeitboote, weiterhin nicht in allen Ländern Vorschrift.

1999 wurde das Notrufzeichen für die kommerzielle Seefahrt durch die Einführung eines internationalen, satellitengestützten Seenot-Funksystems endgültig abgeschafft.

@-Zeichen

Das At-Zeichen (@), auch Affenschwanz oder Klammeraffe genannt, wurde dem internationalen Morsealphabet erst im Mai 2004 von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) hinzugefügt, damit können nun auch ohne inoffizielle Umwege E-Mail-Adressen gemorst werden. Es wird als A ohne Pause gefolgt von C gegeben: ·−−·−·. Diese zweite Aktualisierung des Morsecodes innerhalb von etwa 40 Jahren geschah anlässlich seines 160-jährigen Bestehens. In der Praxis wird jedoch weiterhin oft die bisherige Alternative, A gefolgt von T, benutzt.

Die erste Aktualisierung des Morsecodes war die notwendig gewordene Unterscheidung zwischen "Klammer auf" und "Klammer zu" (davor gab es nur "KK", also −·−−·−), die um 1960 herum eingeführt wurde. Dadurch bekam das bei Funkamateuren beliebte inoffizielle "KN" offiziell eine andere Bedeutung.

 

Quelle: http://de.wikipedia.org